Eindrücke aus einem wenig bekann­ten Land: DDR-Gedenk­stätten­fahrt

Die Gedenkstättenfahrt nach Berlin sollte die letzte Studienfahrt unserer langjährigen Schullaufbahn sein, dementsprechend war die Vorfreude natürlich groß. So traten wir, der Geschichts-LK sowie einzelne Schülerinnen und Schüler der Grund- und des Zusatzkurses, am 2. März 2018 gemeinsam mit Frau Hartmann-Bode und Herrn Weiß unsere Fahrt in die Hauptstadt an, und waren gespannt auf das vor uns liegende Wochenende. Im Mittelpunkt unseres Programms stand die DDR, ein Teil der deutschen Geschichte, mit dem sich viele von uns vorher nie so intensiv beschäftigt hatten.

Gedenkstättenfahrt

Darum waren wir uns nach unserer Ankunft auch einig, die erste Anlaufstelle auf direktem Wege und ohne Zwischenstopp im Hostel besuchen zu wollen: die Mauergedenkstätte an der Bernauer Straße, welche an die Teilung Berlins und die Todesopfer der Berliner Mauer erinnern soll. Dort waren auf mehreren Etagen die verschiedensten Andenken an die Zeit der Berliner Mauer ausgestellt, von Kurzfilmen, über Audios von Zeitzeugen bis hin zu originalen Unterlagen der Stasi. Trotz Müdigkeit und knappem Zeitplan nutzten wir die Möglichkeit, viel Neues über das Leben an der Mauer zu erfahren. Auf Begeisterung stieß aber auch die Dachterrasse, von der wir einen Blick auf die beleuchteten Nachbauten der Mauer werfen konnten. Bei unserem anschließenden Weg zur Bahn kamen wir den Nachbauten dann ganz nah, sowie auch dem einstigen Geschehen an genau dieser Stelle: All jene, die bei ihren Fluchtversuchen ums Leben kamen, sind dort verewigt.

Nach der lang ersehnten Ankunft im Hostel, blieb uns der restliche Abend zur freien Gestaltung. Dementsprechend fanden sich die einen mehr, die anderen weniger ausgeschlafen am Samstagmorgen zum Frühstück ein, um dann gemeinsam in die Gedenkstätte Hohenschönhausen aufzubrechen. Das ist ein ehemaliges Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit, wo uns zwei Zeitzeugen mit jeweils einer Führung erwarteten. Beide waren dort Gefangene gewesen, und konnten uns so aus erster Hand von den menschenunwürdigen Zuständen in dem Gefängnis erzählen.

Gedenkstättenfahrt

Als Lieferwagen getarnter Gefangenentransporter

Gedenkstättenfahrt

Zellentrakt im ehemaligen Stasi-Untersuchungsgefängnis Hohenschönhausen

Während einer von ihnen wegen seiner Zugehörigkeit zum Buddhismus verhaftet wurde, hatte der andere sich unwissend in eine Stasi- Agentin verliebt, und wurde schließlich wegen angeblicher Beihilfe zur Republikflucht verhaftet. Im Untersuchungsgefängnis musste er dann für uns unvorstellbare Folter erleben, insbesondere psychische. Damit wollte die Stasi die oft willkürlich verhafteten Insassen zu Geständnissen zwingen. Beispielsweise wurden die Gefangenen tagelang am Schlafen gehindert, in sogenannten Steh-Zellen wurden ihnen das Sitzen verboten. Der Zeitzeuge schilderte uns seine Geschichte mit völlig unerwartet viel Witz bis hin zur Selbstironie, was nicht nur das Zuhören noch spannender gestaltete, sondern auch seine Persönlichkeit noch beeindruckender machte. Ich denke, ich spreche für jede und jeden, wenn ich sage, dass der Besuch dieser Gedenkstätte uns allen in Erinnerung bleibt. All die gesammelten Eindrücke sorgten für Fassungslosigkeit und Betroffenheit – insbesondere die Tatsache, dass die Mehrheit der damaligen Akteure bis heute nicht für ihre Handlungen zur Verantwortung gezogen wurde.

Den darauffolgenden Nachmittag verbrachten wir nach eigenen Vorstellungen, und versuchten trotz der eisigen Temperaturen so viel wie möglich von Berlin zu erleben. Abends trafen wir uns zum gemeinsamen Abendessen, und schließlich, nach ein paar holprigen Anläufen, zu großen Teilen in einem Berliner Club wieder. Trotz des etwas fragwürdigen Unterhaltungsprogramms dort, hatten wir definitiv unseren Spaß – zumal es sich schon der Aussicht auf den nächtlichen Alexanderplatz wegen gelohnt hat.

Gedenkstättenfahrt

Zeitzeugenführung durch die Gedenkstätte

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Ausstellung "Alltag in der DDR" in der Kulturbrauerei

Sonntag war dann auch schon der letzte Tag unserer Fahrt. Vor unserer Abreise wollten wir uns aber näher mit dem Alltag in der DDR beschäftigen – man lernt schließlich viel über Daten, Ereignisse, sowie soziale und politische Strukturen, aber wie sah denn nun das Leben des Einzelnen jenseits der Mauer aus? Um das herauszufinden, besuchten wir das Museum in der Kulturbrauerei, wo uns eine Ausstellung zu diesem Thema erwartete. Dort lernten wir viele Details der DDR kennen, mitunter das Schulsystem, die Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung oder auch ein typisches Wohnhaus. Allgegenwärtig war offensichtlich immer das vom Staat vorgeschriebene sozialistische Denken, was letztendlich viele der Einwohner zur Flucht verleitete. Hierzu wurden zum Beispiel Tagebucheinträge von Menschen, die die Flucht oder eine Ausreise planten, ausgestellt, was uns einen neuen und viel persönlicheren Blickwinkel auf die Situation verschaffte.

Dieser Ausflug bildete dann auch den Schlusspunkt unserer Fahrt. Erschöpft durch kollektiven Schlafmangel, aber zufrieden und um einige wichtige Eindrücke reicher, traten wir schließlich gegen Mittag die Heimreise an.

Lilly F. (Q2)

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