Gemein­sam erin­nern: Deutsch-fran­zö­si­sches Tref­fen in Pé­ronne

Hunderte weißer Grab­steine stehen Reihe für Rei­he ne­ben­ein­an­der, da­vor wach­sen ein­zel­ne Ro­sen. Am Ho­ri­zont ver­lie­ren sich schwar­ze Trauer­wei­den im No­vem­ber­ne­bel. Zwischen den Gräbern laufen deutsche und französische Schülerinnen und Schüler hin und her und betrachten die Grabsteine. Diese tragen die Namen von Soldaten aus allen Teilen des British Empire. Auf unzähligen Grabsteinen steht an Stelle eines Namens „Known unto God“, da kein Mensch mehr wusste, welcher Soldat hier zu Grabe getragen wurde.

Soldatenfriedhof bei Longueval

Soldatenfriedhof bei Longueval: Mehr Bilder gibt es in dieser Galerie.

19 Schülerinnen und Schüler aus dem französischen Villepreux und 15 Schülerinnen des FvS, von Frau Kronenberg und Herrn Weiß begleitet, haben sich vom 25. bis 27. November 2015 in Péronne (Picardie, Frankreich) getroffen. Dort haben sie die Spuren verfolgt, die der Erste Weltkrieg hinterlassen hat. Entlang der Somme hatte 1916 eine der verheerendsten Schlachten der Geschichte getobt. Nach fünf Monaten heftiger Gefechte waren über eine Million Soldaten umgekommen – für einen Landgewinn von wenigen Kilometern.

Am ersten Tag haben wir uns das Musée Somme 1916 angesehen, um dort einen Eindruck vom Leben in den Schützengräben des Krieges zu bekommen. Am nächsten Morgen besichtigten wir das Mémorial de la Grande Guerre in Péronne, das den Verlauf des Krieges darstellt. Das Museum präsentiert nicht nur Waffen, Uniformen und Gegenstände aus dem Alltag der Soldaten aus, sondern zeigt auch dass der Krieg auch jenseits der Schlachtfelder das Leben der Europäer und vieler Menschen in aller Welt prägte. Plakate und fragwürdiger Propagandakitsch wie ein Porzellanschwein mit Pickelhaube sollten auch die Daheimgebliebenen von der Überlegenheit der eigenen Seite überzeugen.

Am Nachmittag bildeten die Schülerinnen und Schüler deutsch-französische Tandems, die gemeinsam einen deutschen und einen französischen Feldpostbrief lasen. Darauf sollten sie sich vorstellen, die beiden Soldaten hätten die Gelegenheit gehabt, sich zu treffen und miteinander zu sprechen. Die meisten Tandems entschieden sich dafür, dass die beiden Soldaten sich wie Brüder unterhielten, die gemeinsam im Krieg gelitten hatten, und nicht wie Feinde. Viele hielten das für wahrscheinlich, da die Soldaten auf beiden Seiten kein gegenseitiger Hass trennte. Eine Schülerin wendete hingegen ein, dass das wohl eher unsere Wunschvorstellung sei.

Musée Somme 1916

Das Musée Somme 1916

Schützengrabe

Ehemalige Schützengräben

Der Höhepunkt der Fahrt war wohl die Fahrt entlang des Circuit du Souvenir (Pfad der Erinnerung), die wir am dritten Tag unternahmen. Als erstes bestaunten wir den gigantischen Krater von Lochnagar, der von einer britischen Mine ausgebombt wurde. Darauf besichtigten wir die südafrikanische Gedenkstätte und den britischen Soldatenfriedhof in Longueval. Die dritte Etappe war das britische Monument de Thiepval, ein 45 Meter hoher Art-Déco-Triumphbogen, der von einer Hügelkuppe aus die vom Krieg zerfurchte Landschaft dominiert. Am Ende konnten wir in der neufundländischen Gedenkstätte von Beaumont-Hamel durch die zugewachsenen Schützengräben laufen und beobachten, wie stark Verschanzung und Beschuss die Landschaft gezeichnet hatten.

Nach einem kurzen Stadtbummel durch Amiens und einer Besichtigung seiner imposanten Kathedrale trennten sich die deutsche und französische Gruppe. Die Frage, ob die Soldaten des Krieges sich tatsächlich als Brüder sahen oder als Feinde, konnten wir nicht abschließend klären. Was aber wirklich zählt, war: Dass Deutsche und Franzosen heute gemeinsam, in Freundschaft und mit jeder Menge Spaß dieses dunkle Kapitel der europäischen Geschichte entdecken können!

Ch. Weiß

 

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