Studienreise nach Trient

Piazza del Duomo TrientAm 19. Oktober 2018 fuhr ich um 6 Uhr morgens von Köln mit dem ICE zum Münchener Hauptbahnhof. Die nächsten zwei Wochen würde ich nun also in Trient in einer Gastfamilie verbringen. Diese Möglichkeit bekam ich vom Pädagogischen Austauschdienst Deutschland, dort hatte ich mich zwei Monate zuvor für diese Reise beworben.
Gemeinsam mit mir reisten 41 weitere Schüler aus ganz Deutschland nach Trient, welches in der norditalienischen Provinz Trentino-Südtirol liegt. Unser Treffpunkt war der Konferenzraum im Münchener Hauptbahnhof, der für uns angemietet worden war. Der erste Eindruck von den anderen Teilnehmern war sehr positiv und wir kamen sofort ins Gespräch. Das war eine große Erleichterung, da wir in den nächsten zwei Wochen viel Zeit miteinander verbringen würden. Uns begleiteten zwei Lehrerinnen aus Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Am Nachmittag fuhren wir dem Bus weiter nach Trient. Die Fahrt war sehr unterhaltsam, ich lernte zum Beispiel Wörter aus dem schwäbischen Dialekt.
Um 20 Uhr kamen wir schließlich in Trient an und waren alle sehr aufgeregt unsere Gastfamilien kennenzulernen. Meine Familie war mir sofort sympathisch und ich wurde sehr herzlich aufgenommen, sie bestand aus den beiden Eltern und zwei Töchtern. Meine Gastschwester ist 15 Jahre alt und mit ihr ging ich zur Schule und auf die Ausflüge.
Der nächste Tag war ein Samstag, doch glücklicherweise hatten wir -wie sonst in Italien üblich- samstags keine Schule. Daher konnten wir ausschlafen und fuhren am Nachmittag mit meiner Gastschwester und einer Freundin von ihr an den Gardasee. Darüber habe ich mich sehr gefreut und der Ort am Gardasee war wirklich schön. Wir aßen Eis und gingen am See spazieren, dabei haben mich die beiden Italienerinnen auch immer in ihre Gespräche einbezogen und versucht mir alles zu erklären. Das war manchmal gar nicht so einfach, da ich erst seit etwas über einem Jahr Italienisch lerne, doch die Kommunikation funktionierte besser, als ich erwartet hatte. Das war meine größte Angst gewesen, doch wenn man sich darauf einlässt zu versuchen Italienisch zu sprechen, funktioniert das ganz gut und im Notfall haben wir manche Dinge auf Englisch abgesprochen. Das kam öfter vor, wenn ich etwas längeres erzählen wollte oder wir etwas planen mussten. Abends konnte ich oft kaum noch denken und Italienisch sprechen, da das durchgängige Übersetzen der Sätze ins Italienische wirklich anstrengend war.
Am Sonntag machte unsere ganze Gruppe mit den Gastschülern einen Ausflug nach Verona. Auf das Wiedersehen der anderen deutschen Teilnehmer habe ich mich sehr gefreut und wir haben uns über die unterschiedlichen Eindrücke in unseren Familien und teilweise schon den Schulen ausgetauscht. Auch auf die Besichtigung Veronas habe ich mich sehr gefreut; ich war schon einmal mit einem Schüleraustausch in Italien gewesen und dort gefiel mir Verona am besten. Wir besichtigten verschiedene Sehenswürdigkeiten, wie die Arena von Verona und natürlich den Balkon der Julia. Danach konnten wir alleine die Stadt erkunden
Am nächsten Tag ging ich das erste Mal zur Schule. Meine Gastschwester besucht das „Liceo Linguistico Sophie Scholl“, eine auf Sprachen fokussierte Schule. Dort lernen die Schüler Italienisch, Englisch, Deutsch, Latein und Chinesisch oder Spanisch. Die Anreise zur Schule dauerte immer sehr lang, da meine Familie etwa 40 km außerhalb Trients wohnt. Morgens mussten wir also erst 20 Minuten zur Bahnstation gehen, dann 35 Minuten mit dem Zug fahren und in Trient noch einmal 25 Minuten mit dem Bus fahren. In Italien frühstückt man auch nur sehr wenig und es gibt in der Schule erst nach 3 Unterrichtsstunden, welche 50 Minuten dauern, eine zehnminütige Pause. Darauf folgt wieder ein 3-Stunden Block. Außer montags ist die Schule dann um 13 Uhr vorbei. Eine Sache, die ich sehr interessant fand, war, dass die Schüler ein paar Stunden in der Woche in Englisch, Deutsch und Chinesisch von Lehrern aus dem jeweiligen Land unterrichtet wurden. Generell hatte meine Gastschwester immer sehr viel für die Schule zu tun und schrieb fast täglich Tests und Klassenarbeiten, deswegen hatte sie auch oft keine Zeit für mich, vor allem Wochenende musste ich mich selbst um Aktivitäten kümmern.
Dienstagabend war in Trient ein Baskettballspiel des Partita Aquila Basket Eurocup von Trient gegen Ankara. Wie immer war es dabei das Schönste mit den anderen Deutschen Zeit zu verbringen.
Am nächsten Tag hatten wir nachmittags eine Führung durch Trient. Dabei sah ich Trient das erste Mal richtig. Die Altstadt ist sehr süß und übersichtlich, auch der Dom und dessen Vorplatz sind sehr schön gestaltet. Außerdem besichtigten wir das „Castello del Buonconsiglio“, das ist ein im Trentino sehr bekanntes Schloss und der ehemalige Sitz der Fürstbischöfe. Danach gingen wir noch in Trient shoppen und dafür, dass Trient gar nicht so groß ist, gibt es wirklich viele Geschäfte.
Am nächsten Tag gingen wir ins „Muse di Trento“, das Museum von Trient. Es liegt in einem ganz neuen, von Architekt Renzo Piano entworfenen Stadtteil und die Gastfamilien hatten uns zuvor schon davon erzählt, dass es sehr beliebt ist. Im Museum gab es ganz viele Dinge zum selber ausprobieren, ein Tropenhaus und eine große Dachterrasse. Auf letzterer verbrachten wir viel Zeit, da es sehr warm war und die Aussicht auf Die Stadt und die umliegenden Berge war super. Es war jeden Tag aufs Neue beeindruckend überall Berge zu sehen, die Landschaft war mit das schönste an der Reise.
Am Freitag haben wir zuerst das „sotterranea di Trento“, die unterirdische Römerstadt besichtigt und sind danach in den Nachbarort Levico gefahren. Dort gibt es eine Hotelschule, wo Jugendliche eine Ausbildung machen können. Für uns wurde dort ein fünfgängiges Mittagessen organisiert und manche Auszubildende haben auch mit uns gegessen, da sie lernen sollten deutsch zu sprechen.
Am Wochenende und auch noch in der nächsten Woche war in Italien ein schlimmes Unwetter, wobei Bäume umstürzten, manche Straßen überschwemmt wurden und es auch Tote gab. Deswegen wurden wir am Montag während der Schulzeit nach Hause geschickt und auch an den nächsten beiden Tagen entfiel die Schule. Leider konnte man aufgrund des Wetters nicht viel unternehmen wodurch auch unser geplanter Ausflug ins Ötzi-Museum entfiel. An unserem letzten Tag trafen wir uns alle in der Stadt, um noch Zeit zusammen verbringen zu können, abends war für unsere Gruppe ein gemeinsames Essen in einer Pizzeria organisiert worden.
Am nächsten Morgen reisten wir dann auch schon ab, wieder zuerst nach München, wo wir uns schon von ein paar Teilnehmern verabschieden mussten; die ihn München oder in der Nähe lebten.
Mit den anderen konnten wir zusammen in dem Konferenzraum warten bis unsere Züge kamen. Zum Glück konnte ich mit ein paar Freunden im gleichen ICE zurückfahren.
Ich habe noch Kontakt zu einigen Freundinnen und wir planen gerade ein Treffen im neuen Jahr.

Herzlich bedanken möchte ich mich bei Frau Schulze Meßing sowie bei Frau Busch für die Empfehlung an den Pädagogischen Austauschdienst.

Emily Dahl (Q1)

Arena di Verona

Arena di Verona

Castello del Buonconsiglio

Castello del Buonconsiglio

Muse di Trento

Muse di Trento